Hipper Sound aus Afrika trifft urbanes Berlin

Die Africa Music Convention ist nicht nur eine Konferenz. Bei dem Treffen in der deutschen Hauptstadt während der Berlin Music Week kommen Musiker aus Afrika und Deutschland zusammen – um über Musik zu sprechen und gemeinsam Musik zu machen. Und es entstehen Projekte weit darüber hinaus.

Ein Kologo ist ein besonderes Instrument. Es wird eigentlich bei Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen gespielt. Guy One, ein Künstler aus Ghana, ist mit dem Kologo in seinem Heimatland unterwegs und dort so etwas wie ein Superstar. Ein Kologo-Spieler singt solo und verteilt bei seinen Auftritten Volksweisen an die Gäste. Das führt dazu, dass ihn seine Zuhörer auch als eine Art Philosoph sehen. Nun hatte Guy One jedoch einen ganz anderen Auftritt. Zusammen mit dem deutschen Musiker Max Weissenfeldt und seiner Band „Polyversal Souls“ stand er das erste Mal zusammen auf einer deutschen Bühne.

Africa Music Convention

Der Auftritt von Guy One und Max Weissenfeldt war Teil der Africa Music Convention. Die Konferenz der Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. lockte am 4. und 5. September zahlreiche Musikschaffende aus Afrika und Deutschland in den Postbahnhof am Ostbahnhof Berlin. Das Treffen versteht sich als Plattform für Musiker und Musikinteressierte aus Deutschland und afrikanischen Ländern. „Die Africa Music Convention bot neben einem abwechslungsreiches Programm aus Vorträgen und Diskussionen vor allem die sehr seltene Gelegenheit jede Menge Sounds aus afrikanischen Ländern zu hören, vor allem aber urbane hippe Musik, die dort jetzt in Clubs gehört werden, Tanzmusik, aktuell und neu“, sagt Friederike Claußen von der Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. Zum Beispiel spielten während der Africa Music Convention die deutsche Puppen-Hip Hop Band „Puppetmastaz“ zusammen mit Psychotek Tonic aus Simbawe. „Durch solche deutsch-afrikanische Konzerte sollen mehr länderübergreifende Musikprojekte entwickelt und umgesetzt werden“, so Claußen weiter.

Mehr Chancen durch Web 2.0

Eine besondere Möglichkeit für internationale Musikprojekte könnte dabei das Internet bieten. Deshalb widmete die Africa Music Convention ein ganzes Panel den Risiken und Chancen von zum Beispiel legalen Downloadmöglichkeiten und sozialen Netzwerken wie Youtube. Denn wenngleich Piraterie noch immer ein massives Problem sei, so solle sich doch ein zunehmender Absatzmarkt im Internet entwickeln, so Yoel Kenan von der Digitalplattform Africori (Südafrika). Die Musikjournalistin Fiona Okumu von Afripop fügte hinzu, dass es noch vor wenigen Jahren undenkbar war, dass ghanaische Musik im südafrikanischen Radio liefe. Dies verdanke man in erster Linie den sozialen Netzwerken.

Eine weitere spannende Diskussionsrunde der Africa Music Convention widmete sich der sozio-politischen Rolle von Musik, Texten und Konzerten. Hier erfuhr das Publikum welche Messages beispielsweise über HipHop transportiert werden und welche gesellschaftliche Rolle bestimmte Musikstile spielen. Auf dem dritten Panel wurden gelungene Beispiele von Partnerschafts- und Kooperationsprojekten zwischen afrikanischen und europäischen Musikern diskutiert. Guy One und Max Weissenfeldt konnten das Publikum spüren lassen, wie bereichernd der musikalische Austausch zwischen Deutschland und Afrika – in diesem Fall Ghana - sein kann. Vor jedem Panel gab es spannende Einblicke in aktuelle Musiktrends aus Süd-, West- und Ostafrika durch moderierte Videoclips.

Gemeinsame Platte soll entstehen

Guy One und Max Weissenfeldt sind diesem Ziel bereits ein großes Stück näher gekommen: Als Weissenfeldt die Musik des Afrikaners das erste Mal hörte, wollte er unbedingt mehr wissen. Mehr über den Sound und mehr über den Menschen, der hinter der Musik steht. Dafür reiste Weissenfeldt nach Ghana, traf Guy One, lernte die ghanaische Kultur kennen und traf andere Künstler. Und: Beide nahmen noch während des Besuchs zusammen ein Stück auf und veröffentlichten es auf einer Vinyl-Platte.

„Wir haben uns natürlich über die Musik kennengelernt“, sagt Weissenfeldt. Beide hätten sich schnell auf einen Rhythmus geeinigt. „Musik ist sozusagen unsere gemeinsame Sprache.“ Ähnlich sieht das Guy One. Er ist begeistert von der gemeinsamen Arbeit und freut ich darüber, zusammen mit Weissenfeldt an einem Projekt zu arbeiten. Denn das ist noch lange nicht am Ende. Im Gegenteil: Während der Africa Music Convention hatte das Duo ihren ersten gemeinsamen Auftritt. Und nun sollen eine gemeinsame Tournee durch Ghana und im Dezember sogar eine gemeinsame Platte folgen.

Künstler können voneinander lernen

Während der Africa Music Convention konnten nicht nur Künstler wie Guy One und Max Weissenfeldt viel voneinander lernen. Die Gäste im Astra Kulturhaus und im Badehaus Szimpla erlebten hippe Clubkonzerte mit urbanem Sound, etwa Puppetmastaz und Psychotek Tonic aus Deutschland und Simbabwe, Suff Daddy und Nash aus Deutschland und der Elfenbeinküste, Tlale Makhene und Burnt Friedmann aus Südafrika und Deutschland sowie die Gebrüder Teichmann aus Deutschland und Psychotek Tonic.

Aktionsraum #7

Kunst und Kultur

Kunst und Kultur prägen gesellschaftliche Wahrnehmungen. In diesem Aktionsraum steht die Vermittlung von Partnerschaften zwischen afrikanischen und deutschen Kunst- und Kulturschaffenden im Mittelpunkt. Deutsche und afrikanische Film- und Theaterschaffende, bildende Künstler/innen, Tänzer/innen und Musiker/innen entwickeln gemeinsam kreative partnerschaftliche Projekte. Als zivilgesellschaftliche und staatliche Organisationen, Institutionen und Partner sind u.a. Kunsthochschulen, Akademien, Förderverbände, Stiftungen, Theater, Kinos, Museen, internationale Kunstprojekte und Festspiele involviert.

Ansprechpartner

Friederike Claußenfriederike.claussen@german-african-partnership.org

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