Im Exil: Das Festival au Désert

Beim „Festival au Désert“ nutzen malische Musiker ihre „mächtigste Waffe“: Die Musik. So wollen sie auf die Krise in ihrer Heimat aufmerksam machen. Mit dabei auch Khaïra Arby, die „Königin des Wüstenblues“.

Während ihrer Arbeit in einem Tonstudio der malischen Hauptstadt Bamako soll sie vom Staatsstreich gehört haben, auf der Straße direkt vor der Tür. Sogleich schrieb Khaïra Arby gemeinsam mit anderen malischen Künstlern ein Lied für den Frieden: „Le monde pour la paix“. Damit will sie den Menschen in ihrer Heimat Hoffnung schenken. Für die „Queen of Desert Blues“ eine Lebensaufgabe. Denn ihr Wort zählt. Einer der bekanntesten Stimmen des Landes hört man gerne zu.

Nicht nur weil Arby eine fantastische Stimme hat, sondern auch weil sie etwas zu sagen hat, wird sie als Musikerin ernst genommen. Arby und ihre Familie sind seit vielen Generationen Grios, eine besonders Kaste in Mali. Grios sind musikalische Geschichtsbücher, sie singen über alles und jeden, auch über kritische Themen. In ihren Liedern werben sie für mehr Verständnis zwischen den vielen Volksgruppen und träumen von einem geeinten Land. Deshalb mischen sich in ihrem Gesang Einflüsse aus allen Regionen - zum sogenannten „Desert Blues“.

Aber auch als Mensch verdiente sich Arby den Respekt ihres Landes: In ihrer Heimat Timbuktu stellte sie sich islamistischen Terroristen in den Weg. Selbst die Gefahr einer Entführung und Ermordung schreckten sie nicht ab. Sie sang für ihr Land.

„Festival au Désert“ wird vertrieben

Die Krise in Mali hat nicht nur Arbys Arbeit beeinflusst. Auch das malische „Festival au Désert“ leidet unter den politischen Unruhen. Denn normalerweise findet das größte Musikevent Westafrikas jedes Jahr in und um Timbuktu im Herzen Malis statt. Dabei präsentieren sich an drei Tagen und drei Nächten die Musiker der Region, überwiegend Tuareg. Das Festival will dabei die Traditionen der Wüste bewahren und gleichzeitig die Türen zur Außenwelt öffnen.

Doch im Jahr 2012 kam die Rebellion, Mali stürzte in eine Krise, die Sicherheit für die Musiker war nicht mehr gegeben. Das „Festival au Désert“ musste ins Exil ziehen. Im Jahr 2014 folgte es der Einladung der Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. und Christoph Schlingensiefs Operndorf Afrika nach Deutschland.

 „Festival au Désert“ in Berlin

„Unser kulturelles Erbe, das uns verbindet, wird immer stärker sein, als die Kräfte, die versuchen uns zum Schweigen zu bringen“, verspricht Festivalleiter Manny Ansar. Deshalb seien die Musiker auch nach Deutschland gekommen, um von ihrer Heimat, ihrem Schmerz und ihrer Sehnsucht zu singen. Aber auch von Liebe und Hoffnung.

Das von der Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. organisierte dreitägige „Festival au Désert im Exil“ wurde auch von Filmen, Diskussionen und Workshops begleitet: Der Dokumentarfilm „Woodstock in Timbuktu“ erzählt eindringlich vom „Festival au Désert“ bevor es aus Mali vertrieben wurde. Weiter stand im Zentrum des Festivals die Begegnung, nicht nur von professionellen Musikern, sondern auch von Interessierten und Neugierigen, um über Musik voneinander zu lernen und sich zu verständigen. Auf Einladung der Stiftung konnten deutsche Jazzmusiker und Künstler aus Mali während eines Workshops ein „musikalisches Gespräch“ führen. Für alle Teilnehmer eine „neue und aufregende Erfahrung mit Menschen Musik zu machen, die 6.000 Kilometer entfernt zu Hause sind“, schwärmt der Workshopleiter Abdou Rahime Diallo von der Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. Während der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Deutsche und Afrikaner über ihre gemeinsamen Ansprüche an einen gesellschaftlichen und kulturellen Austausch. „Dabei wurde deutlich, wie sehr sich alle Teilnehmer mehr Offenheit und Akzeptanz von Vielfalt in der Bevölkerung wünschen“, lautet Diallos Fazit.

Khaïra Arby im Konzert

Auch Khaïra Arby, die „Königin des Wüstenblues“, ist nach Deutschland gereist. Als krönender Abschluss des Festivals eröffnete sie ein Konzert der Extraklasse in der Berliner Volksbühne: Malische und deutsche Musiker wie das Orchestre Amanar de Kidal und Kante traten dabei gemeinsam auf und spielten ihre Musik. „Eine tolle Idee…“ so Arby. Im ersten Moment, als sie die Bühne betrat, sei sie nur ein wenig  irritiert gewesen, weil überall Stühle standen und kein Platz zum Tanzen vorgesehen war. Bei ihren Konzerten und in ihrem Land sei das so nicht üblich. In Deutschland anscheinend schon. Dennoch konnte Arby, auch die Menschen in Deutschland mit ihrer Musik bewegen und war davon sehr berührt.

Aktionsraum #7

Kunst und Kultur

Kunst und Kultur prägen gesellschaftliche Wahrnehmungen. In diesem Aktionsraum steht die Vermittlung von Partnerschaften zwischen afrikanischen und deutschen Kunst- und Kulturschaffenden im Mittelpunkt. Deutsche und afrikanische Film- und Theaterschaffende, bildende Künstler/innen, Tänzer/innen und Musiker/innen entwickeln gemeinsam kreative partnerschaftliche Projekte. Als zivilgesellschaftliche und staatliche Organisationen, Institutionen und Partner sind u.a. Kunsthochschulen, Akademien, Förderverbände, Stiftungen, Theater, Kinos, Museen, internationale Kunstprojekte und Festspiele involviert.

Ansprechpartner

Friederike Claußenfriederike.claussen@german-african-partnership.org

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