Filmprojekt: Ankommen - Perspektiven auf Deutschland

Viele, die dieser Tage den Namen Dresden hören, denken sofort an Pegida und ihre Montagsmärsche zur "Rettung des Abendlandes". Auch vor einigen Tagen zeigten sich in Dresden wütende und unzufriedene Demonstranten. Beim Tag der Deutschen Einheit, am 03. Oktober, drückten Massen an Bürgern aus Dresden und dem Umland mit teilweise aggressiven Parolen ihre Unzufriedenheit mit der deutschen Regierung aus. Geflüchtete, die in anderen Städten und Regionen Deutschlands wohnen, schütteln sofort ablehnend mit dem Kopf. Nach Dresden? Auf keinen Fall.

Gemeinsam mit der Youth Globe GmbH und einer Gruppe aus Dresdner Bürgern und Geflüchteten haben wir nachgeforscht: Wie stehen Dresdner Geflüchtete und Bürger zueinander? Wie nehmen die ankommenden Bürger die Stadt und Deutschland wahr? Was denken die Dresdner Bürger? Resultat ist der Film "Ankommen - Perspektiven auf Deutschand". Sehen Sie hier den Film und erfahren Sie alles weitere.

Vorbereitung

Etwa 40 Fußballbegeisterte Deutsche und Geflüchtete nahmen an dem Projekt teil. An einem Samstag haben sie sich zusammengesetzt und Interviewfragen zu Aspekten von Flucht, Akzeptanz, Deutschland und bestehenden Vorurteilen entwickelt. In diesem Prozess wurde ein Fragenkatalog aus 13 Fragen erarbeitet, der beispielsweise Fragen zu Fluchtursachen, der Pegida-Bewegung in Sachsen, Fragen zu Grenzen von Toleranz sowie zu eigenen Erfahrungen mit Geflüchteten, Flucht in der eigenen Familie enthielt. Die Diskussion um mögliche und interessante Fragen spiegelte bereits innerhalb der Gruppe einige Vorurteile wider. In diesem geschützten Rahmen konnten solche aufkommenden Zuschreibungen jedoch sachlich entkräftet werden, auch der persönliche Austausch half hier enorm.

Durchführung der Interviews in Dresden

Gemeinsam mit dem vor-Ort-Projektteam der Youth Globe GmbH wurden an mehreren Samstagen Interviews im Herzen der Stadt geführt. Von der Kamera begleitet machten sich immer Teams bestehend aus 2-3 Teilnehmern auf den Weg, Passanten mit ausgewählten Fragen anzusprechen.  Dabei wurden die Fragen situativ ausgewählt, die für den jeweiligen Interviewpartner und für die jeweilige Gesprächssituation passend erschien. Etwa 20% der Angesprochenen war zu Aussagen bereit, einige davon wollten dies auch nur bei ausgeschalteter Videokamera tun. Die wichtigsten Aussagen bzw. Ergebnisse wurden in dem Film „Ankommen – Perspektiven auf Deutschland“ zusammengefasst. Insgesamt zeigte sich ein recht positives Bild aufseiten der befragten Passanten. Zusammenfassend waren die meisten Passanten der Meinung, dass den Geflüchteten auf der menschlichen Ebene geholfen werden sollte. Allerdings wurde auch häufiger die Forderung laut, dass die Menschen hier vor Ort nicht benachteiligt werden dürften und dass die Politik die Ängste ihrer Bürger ernst nehmen muss. Es gab jedoch auch solche Angesprochen, die lediglich mit einem Kopfschütteln abwinkten bzw. im Vorbeigehen ihre Statements murmelten (z.B. die Syrer sollten dies unter sich aus machen oder es kämen zu viele Wirtschaftsflüchtlinge). Auch einige der teilnehmenden Geflüchteten gaben ihrerseits ihre persönlichen Eindrücke von Deutschland und Dresden im Film preis, wobei anzumerken ist, dass nicht viele der teilnehmenden Geflüchteten dazu bereit waren, da der Film veröffentlich werden soll und damit Ängste verbunden waren mit Blick auf ihre persönlichen Geschichten. Der Film ist auf mehreren Kanälen veröffentlicht wurden (u.a. auf der SPA-Website sowie auf dem SPA-Youtube-Kanal, Link: https://www.youtube.com/watch?v=GaIEXAkR5fs )  

Zusammenfassung  

Insgesamt entwickelte sich eine interessante Auseinandersetzung der Teilnehmenden untereinander. Sowohl während der Vorbereitung und Erarbeitung der Fragen als auch während der Interviews wurde unter den Teilnehmenden viel diskutiert. Dabei kam es häufig zu den sogenannten Aha-Effekten, vieles an Hintergründen für bestimmte vorherrschenden Vorurteile konnte aufgeklärt werden. Auch der persönliche Kontakt bzw. das Kennenlernen wurden von vielen sehr geschätzt.

Bezugnehmend auf die Interviews war es eine schöne Erfahrung für viele Geflüchtete, die im Vorhinein eher zurückhaltend und mit Angst an die Interviews herangingen. Letztlich übersiegte bei vielen die Neugier und auch der Wunsch, mit Menschen außerhalb der bekannten ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Kontakt zu kommen. Dies brachte vielfach positive Überraschungen. Trotz kritischer Aussagen der Passanten war die Interviewsituation mit keinen negativen Emotionen, Anfeindungen oder negativen Andeutungen gegenüber den Interviewenden behaftet.

Aktionsraum #8

Migration und Diaspora

Der Aktionsraum außerschulische Jugendbildung umfasst Projekte zur Vermittlung von Wissen über Deutschland und afrikanische Länder. Partnerschaften zwischen deutschen und afrikanischen Jugendeinrichtungen werden aufgebaut. Gemeinsam entwickeln und veranstalten sie Peer-Modelle, Events und Aktionen.

Ansprechpartnerin

Katja KruseKatja.Kruse@german-african-partnership.org

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