Rückblick Konferenz "Tag der Deutschen Vielfalt 2015" in Frankfurt am Main

Am 04. Oktober 2015 lud die Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. in Kooperation mit dem Evangelischem Stadtdekanat Frankfurt und dem Eritrean Forum e.V. zum  Tag der Deutschen Vielfalt nach Frankfurt am Main ein.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit veranstaltete die Stiftung Partnerschaft mit Afrika e. V. bereits zum dritten Mal die deutsch-afrikanische Dialogkonferenz „Tag der Deutschen Vielfalt“, die Menschen verschiedenen Hintergrunds für deutsch-afrikanische Themen zusammenbrachte und durch Diskussionen und praxisorientierte Workshops zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland stärken und neues Engagement initiieren möchte.

Das Thema Flucht ist aktuell überall präsent, dringender Handlungsbedarf wird an allen Ecken fest­gestellt. Medien liefern kontinuierlich neue Nachrichten und Bilder und nehmen bei der Wahr­nehmung und Diskussion des Themas eine zentrale Rolle ein. Oftmals sind diese Berichte bildlich und inhaltlich von Stereotypen und Einseitigkeit geprägt und beeinflussen maßgeblich die Wahrnehmung afrikanischer und selbst afrikanischstämmiger Menschen in Deutschland. Daher wurden in den Workshops Fragen nach der Logik der medialen Aufmerksamkeit beim Berichten über den afrikanischen Kontinent, dem Potential migrantischer Organisationen in der Fluchtarbeit sowie den Möglichkeiten der stärkeren Betonung von globalem Lernen, auch schon in der frühen Kindheit, thematisiert.

Die Veranstaltung war ein Plädoyer für die Bedeutung von Medien bei der Information, Aufklärung und der öffentlichen Meinungsbildung, aber diente auch der Sensibilisierung für die Gefahren einseitiger Berichterstattung. Medien informieren nicht nur, sie übermitteln gleichzeitig Stereotypen und haben große Kraft, dadurch die öffentliche Meinungsbildung stark zu beeinflussen.  

Programm

Dr. Katja Böhler, erste Vorsitzende der Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. betonte in ihrem Grußwort das Anliegen des Projekts. Der Tag der Deutschen Vielfalt möchte zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland und Afrika würdigen, stimulieren und fördern. Dafür wird mit dem Tag der Deutschen Vielfalt ein Raum für Engagierte, Interessierte und ExpertInnen geschaffen,  in dem die SPA e.V. als Moderatorin und Impulsgeberin Begegnung schafft, zu Diskussionen einlädt und mit praxisorientieren Workshops den Austausch zu Themen der Zeit initiiert. Gemeinsam mit ExpertInnen, PraktikerInnen möchte die Stiftung Organisationen aus Deutschland und afrikanischen Ländern  durch zielgerichtete Workshops unterstützen und ermutigen deutsch-afrikanische Partnerschaften zu initiieren bzw. auszubauen.

Fachgespräch

Bei der Podiumsdiskussion „Flucht und die Logik der Aufmersamkeit – Wann ist ein Ereignis eine Nachricht?“ diskutierten unter der Moderation von Abdou Rahime Diallo Sheila Mysorekar (Trainerin für konfliktsensitiven Journalismus und Beraterin für Post-Konflikt-Staaten), Dr. Mussie Habte (Eritrea Forum e.V.) und Karl Kopp (Pro Asyl) über die Frage, wie die öffentliche Aufmerksamkeit funktioniert und was daraus für die Berichterstattung aus und über Afrika folgt.

Schwerpunkt 1: User Generated Continent: Digital Media, Migration and Participation in African Countries

Der Workshop zum ersten Schwerpunktthema untergliederte sich in zwei Teile. Zunächst wurde unter der Leitung von Sheila Mysorekar die Behinderung einer freien Presse  sowie generelle Herausforderungen für Presse und klassische Medien in insbesondere afrikanischen Ländern, einzelne Probleme und mögliche Lösungen im Fokus diskutiert. Wassim Zoghlami stellte im zweiten Teil verschiedene Beispiele vor, wie insbesondere Digitale und Soziale Medien durch zivilgesellschaftliche Akteure für Entwicklungsprozesse genutzt werden können. Den neuen und für viele nutzbaren Chancen, die mit diesen Medien für die Partizipation einhergehen, steht jedoch vor allem das Problem der fehlenden Qualitätskontrolle gegenüber. Mit dem  digitalen Journalismus stellen sich auch Fragen der Professionalität. Es müssten neue Standards erarbeitet und eingehalten werden, um Manipulation und Fehlinformation entgegenzuwirken. Dies wurde als eine Herausforderung identifiziert, die für gesellschaftliche Entwicklung in Afrika wie auch in Deutschland eine große Rolle spielt. Anknüpfend an die vorgestellten Herausforderungen und Beispiele wurden von den Workshopteilnehmenden erste Ideen diskutiert, wie eigene deutsch/europäisch-afrikanische Medieninhalte und -werkzeuge mit dem Ziel Globaler Entwicklung entwickelt und genutzt werden können.

Schwerpunkt 2: „Authentisches Wissen“ gegen blinde Flecken?: Das Potenzial afrikanischer MigrantInnenorganisationen bei der Information über Flucht und Fluchtursachen am Beispiel Eritrea

Nach einer Einführung in die Geschichte von und sozio-ökonomische Lage in Eritrea und Hintergründen der Flucht aus Eritrea, diskutierten die Workshopteilnehmer unterschiedliche Fragen. Welche Vorteile bringen MigrantInnenorganisationen bei der Information über Flucht und Fluchtursachen mit? Erfahrung und die vergleichende Perspektive. Viele Migranten hätten selbst eine Flucht hinter sich oder haben viel Wissen über die Flucht von Freunden und Verwandten. Durch ihre Erfahrung in sowohl dem Herkunftsland als auch dem Zielland könnten sie vor allem aufklären. Beispielsweise existierten in Eritrea zahlreiche Vorstellungen und Erwartungen von der „westlichen Welt“, die überzogen und fern der Wahrheit sind. So gehen wichtige entwicklungspolitische Potenziale durch abwandernde Eritreer verloren, ohne dass die Abwandernden im Zielland eine zufriedenstellende Situation vorfinden. Aufgrund der Erfahrungen und vergleichenden Betrachtungsweise sollten MigrantInnen dazu beitragen, Fehlinformationen und Klischees beider Seiten auszuräumen. Was können MigrantInnenorganisationen konkret tun? Wie können sie ihr Potenzial nutzen? Information über soziale Netzwerke, Mitarbeit und Veröffentlichung von Artikeln bei Medien in beiden Ländern, Beratung und Ausbildung von Multiplikatoren waren einige der diskutierten Beispiele

Schwerpunkt 3: Entwicklungspolitische Bildung als Storytelling: Zugängliche Formate für komplexe globale Zusammenhänge

Das Hauptaugenmerk des Workshops lag auf der Diskussion von Potenzial und Funktionsweise verschiedener Storytelling- Formate, mit denen Interesse und Verständnis entwicklungspolitisch relevanter Zusammenhänge generiert und erhöht werden kann. Das Storytelling als Methode beschreibt die Kunst des Geschichtenerzählens und wird bereits vielfach in Schule, Psychologie oder in Unternehmen eingesetzt. Anhand von verschiedenen Problemlagen und Projekten in Ländern des Südens wurden Beispiele aus den Bereichen Social Media, Musik, Film und Video gemeinsam mit den Teilnehmern diskutiert. Dabei ging es um die jeweiligen Bedingungen, Do’s und Dont’s sowie Probleme mit dem Format. Der Fokus liege dabei unabhängig von der medialen Ausformung immer auf der Story selbst, die leicht zugänglich und eindeutig sichtbar gestaltet sein muss. Dies könnten aussagekräftige Bilder oder Texte sein, durch die Aufmerksamkeit generiert wird und die folglich zur Geschichte leiten. Als weiteres Charakteristikum gelten der persönliche Bezug, Verständlichkeit und die Konzentration auf eine/n ProtagonistIn. Denn nur durch die persönliche Ansprache, durch das Einbeziehen des Lesers/ Zuschauers könnte ein darüber hinaus gehendes Interesse generiert werden. Gerade in der entwicklungspolitischen Bildung zeige sich dieses Phänomen sehr deutlich. Wer selbst bereits Erfahrungen im Ausland gesammelt hat, sei weitaus interessierter an Hintergründen und Zusammenhängen. Die Herausforderung der entwicklungspolitischen Bildung sowie des globalen Lernens bestehe demnach gerade darin, jungen Menschen noch ohne eigene Erfahrungen durch eine ergreifende Story, die in Lebensumfeld anspricht, zu erreichen.

Schwerpunkt 4: Weltbürger von morgen: Ansätze und Medien der entwicklungspolitischen Bildung in der Kindesentwicklung

Ein besonderer Schwerpunkt richtete sich an die dritte Zielgruppe der Eltern und Erzieher. Mit dem zugrundeliegenden Anliegen, dass Bildung von den ersten Lebensjahren bis zur Mittelschule um eine entwicklungspolitische und globale Komponente erweitert werden muss, beschäftigte sich der Workshop, der von Mahdokht  Ansari geleitet wurde, mit wichtigen Grundlagen für das Globale Lernen und für eine vorurteilsfreie Erziehung im frühkindlichen Bereich. Dabei wurden verschiedene Ansätze diskutiert und der sog. Situationsansatz präferiert. Inhaltlich wurde die zentrale Frage „Wie lernen Kinder?“ aufgeworfen, der eine Vorbedingung für den Aspekt „Was lernen Kinder“ darstellt. Denn für das globale Lernen sei vor allem die Fähigkeit einer vielseitigen Wahrnehmung und des Perspektivwechsels wichtig. Dies setze eine stärker verankerte emotionale Komponente in der frühkindlichen Bildung voraus. Bereits im Kindesalter könnten durch Rollenspiele, spielerische Methoden und geeignete Lernmedien Empathie, Perspektivwechsel und Neugier gefördert und geweckt werden. Einige der Teilnehmer bemerkten, dass Kindergarten- und Vorschulpersonal stärker ausgebildet und gefördert werden müsse. Zudem müsse es mehr Veranstaltungen für die Zielgruppen geben, die sich um frühkindliche Bildung verdient machten.

Aktionsraum #8

Migration und Diaspora

Der Aktionsraum außerschulische Jugendbildung umfasst Projekte zur Vermittlung von Wissen über Deutschland und afrikanische Länder. Partnerschaften zwischen deutschen und afrikanischen Jugendeinrichtungen werden aufgebaut. Gemeinsam entwickeln und veranstalten sie Peer-Modelle, Events und Aktionen.

Ansprechpartnerin

Katja KruseKatja.Kruse@german-african-partnership.org

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