Alternative Landwirtschaft wird immer wichtiger

In Deutschland und dem Benin haben sich zwei Gruppen gleichzeitig mit den Fragen der jeweiligen Landwirtschaft und des Konsums auseinandergesetzt. Nun stellten sie ihre Ergebnisse in Berlin vor. Diese waren nicht nur positiv.

Der Bau einer Biogasanlage in Deutschland kann zu höheren Brot-Preisen in Afrika führen. Was auf dem ersten Blick kurios klingt, ist eine Folge von immer größer werdenden Abhängigkeiten zwischen den Kontinenten. In der Bundesrepublik wurde in den vergangenen Jahren die Erzeugung von alternativen Energien gefördert. Aus Landwirten wurden Energiewirten. Das verknappte nicht nur die Ernte, sondern ließ die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen. Denn aufgrund der Energiesubventionen kostet die Nutzung des Bodens immer mehr. Da große Teile Afrikas von den Getreideimporten aus Europa abhängig sind, kann den afrikanischen Verbrauchern der deutsche Atomausstieg teuer zu stehen kommen.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie eng europäische und afrikanische Probleme zusammenhängen. Zwei Gruppen aus Ehrenamtlichen haben deshalb gleichzeitig versucht herauszufinden, welche Schnittmengen die Landwirtschaft, Ernährung und der Konsum in Berlin/Brandenburg und in Cotonou im Benin haben. Sie suchten in den jeweiligen Regionen nach den lokalen Herausforderungen und den Problemen. Ihre Zwischenergebnisse haben sie nun in Berlin präsentiert. Zwischen dem 19. und 21. September 2014 zeigte eine interaktive Ausstellung im Prinzessinnengarten erste Erkenntnisse aus der Forschungsarbeit. Beim „AgriKulturForum Berlin-Cotonou“ erlebten die Teilnehmer außerdem Diskussionsrunden und Workshops.

Wie werden Lebensmittel überhaupt produziert?

Obwohl es bereits zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema gibt, unterstützte die Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. das länderübergreifende Projekt. Denn es hat einen besonderen Ansatz: Bewohner einer Region forschen selber und geben ihre Erkenntnisse mittels leicht verständlichen Filmen, Grafiken und Installationen an andere Bewohner weiter. Somit entsteht nicht nur ein Projekt zwischen dem Benin und Deutschland, sondern für ein konkretes Problem werden Lösungen entwickelt, von denen die Menschen in beiden Ländern profitieren können.

„Ich wollte sehen, wie die Realität in Berlin tatsächlich ist. Das war meine Motivation, dabei zu sein“, sagte Teilnehmerin und Geografie-Studentin Lea Bassabi in Berlin. „Ich sah nur Hochhäuser, ich konnte mir nicht vorstellen, dass man hier auch Gemüse anbaut. Und tatsächlich, es geht.“ Die Teilnehmer haben in Deutschland und dem Benin Bauern besucht, Interviews geführt, Konsumenten befragt, Filme gedreht und Fotos gemacht. Dabei ging es stets um die Fragestellungen, wie die lokalen Herausforderungen überhaupt aussehen und mit welchen Problemen sich die Teilnehmer näher beschäftigen wollen.

Die beiden Gruppen haben nun zum AgriKulturForum erste Ergebnisse ihrer Arbeit zusammengetragen. Die wichtigsten: Nach vielen Monaten deutsch-beninischer Zusammenarbeit stellte sich heraus, dass in beiden Gebieten die Themen alternative Landwirtschaft, Bodenqualität und Bodenqualität besonders hoch auf der Agenda stehen müssen. Es geht dabei um die wichtigen Fragen, wie Lebensmittel überhaupt produziert werden, welche alternativen Methoden es gibt und wie die Bodenqualität erhalten werden kann. Im Grunde stehe der gesamte Prozess der Lebensmittelherstellung, vom Acker bis auf den Teller der Verbraucher im Mittelpunkt, so die Teilnehmer.

Konsumenten haben Einfluss auf Qualität der Lebensmittel

Der Konsument könne mitentscheiden und damit den Produktionsprozess auch mit verantworten. „Wir müssen darüber nachdenken, welche Systeme in Zukunft so viele Menschen wie möglich mit guten Lebensmitteln versorgen können“, fordern die Teilnehmer. „Wir als Konsument haben einen gewaltigen Einfluss auf die Produzenten“, sagt Marco Clausen vom Prinzessinnengarten Berlin. Deshalb sei der Austausch zwischen dem Benin und Deutschland auch so wichtig. Hinzu kommt noch ein anderer Aspekt: Die Produktion von guten Lebensmitteln schafft Arbeitsplätze. Es lohne sich dafür zu werben, denn die Arbeit in der Landwirtschaft muss nicht nur Spaß machen, sondern auch gesellschaftlich anerkannt sein.

Das „AgriKulturForum Berlin-Cotonou“ war Teil des COMENGA-Programms und wurde von der Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V., der Nomadisch Grün gGmbH,  der Fédération des Unions de Producteurs Agricoles du Bénin (FUPRO) und Hortitechs Développement umgesetzt. Finanziell unterstützt wurde  die Veranstaltung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Aktionsraum #3

Zivilgesellschaft

Zivilgesellschaft sind wir alle. Der Aktionsraum Zivilgesellschaft ist ein Querschnittsbereich, der eine Vielzahl von Themen umfasst. Von den Maßnahmen und Ideen können auch die Teilnehmer/innen anderer Aktionsräume profitieren.

Ansprechpartner

Lukas Goltermannlukas.goltermann@german-african-partnership.org

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